Interview mit Pfarrer Andreas Volke
Geschäftsführender Leiter des Evangelischen
Kulturbüros RUHR 2010
Warum beteiligt sich die Evangelische Kirche an der Kulturhauptstadt?
Die evangelische Kirche beteiligt sich mit einem eigenen Programm am Kulturhauptstadtjahr "Ruhr 2010". Was ist Kultur aus kirchlicher Perspektive? Kultur entsteht, wo Menschen ihr Leben deuten. Sie erwächst, wenn Menschen, miteinander den öffentlichen Raum gestalten, in dem sie leben. Wir wollen darum Akzente setzen, die Freiräume schaffen, in denen sich Menschen begegnen, Inspiration finden und sich aktiv beteiligen. Braucht das Ruhrgebiet kirchliche Impulse? Ja, eindeutig. Die "Ruhr 2010" hat eine Metropole erfunden, die es noch gar nicht gibt. Über den 53 Städten wurde ein virtueller "Dachboden" eingezogen. Wer aber darf in dieses Gebilde einziehen? Es war absolut wichtig, dass wir unsere Potenziale als ältester Kulturträger gebündelt haben mit dem Ziel: 2010 profiliert dabei zu sein und - was uns sehr wichtig ist – 2011 besser dazustehen als heute.
Wie sehr haben Kirchen die Kultur im Ruhrgebiet geprägt?
Kirchen gehören in die Region, wie Zechentürme und Hochöfen. Die Industriegeschichte umfasst aber nur die letzten 150 Jahre. Davor liegen 1000 Jahre, in der Christen ebenfalls aktiv an der Gestaltung des öffentlichen Lebens beteiligt waren. Nicht nur das Wechselspiel von Kirche und Rathaus, wie es heute noch in Duisburg zu sehen ist, spielt dabei eine Rolle. Ebenso zu erwähnen ist die diakonische Arbeit der Kirchen, die Seelsorge und ihre Parteinahme für ein würdiges Leben. Zeigen sich diese sozialen und politischen Aspekte auch im Programm zur "Ruhr 2010"? Geradezu modellhaft am Gefängnisprojekt "Schattenkultur" in Moers, bei dem Gefangene ausstellen, wo aber auch der Strafvollzug selbst als Teil unserer Kultur im Brennpunkt steht. Der Kulturbegriff der RUHR2010 erhält durch dieses Projekt eine wichtige soziale Öffnung zur Solidarität mit allen, die gesellschaftlich "im Schatten" leben.
Was bringt das Kulturhauptstadtjahr der evangelischen Kirche?
Die von uns zusammengeführten Projekte tragen allesamt Nachhaltigkeit in sich. Durch sie sind Netzwerke entstanden und starke Potenziale geweckt worden. Mit "Church Tours Ruhr" und "Pilgern im Pott" ist ein nachhaltiger Beitrag zur touristischen Infrastruktur der Region gelungen. In vielen Gemeinden hat ein Prozess eingesetzt, die Kirche neu als Kulturort zu begreifen, nicht erst wenn Künstler einziehen, sondern aus sich selbst heraus. Hier hat die Kulturhauptstadt jetzt bereits spürbar Wirkung gezeigt.
Das Interview führte Thomas Becker
Die Stiepeler Dorfkirche ist mit zahlreichen Veranstaltungen in das Programm der Kulturhauptstadt "Ruhr 2010" eingebunden. Das Programm finden Sie hier als Download.
Projekte unter aktiver Beteiligung der Dorfkirche:
Orgellandschaft RUHR – ein Jahr mit der Königin
Die von beiden Kirchen organisierte Zusammenführung der hervorragenden Orgelstandpunkte, Konzertreihen und Festivals des Ruhrgebietes unter der Dachmarke "Orgellandschaft RUHR" wird im Jahr 2010 an über 80 Standorten 480 Konzertveranstaltungen umfassen.
www.orgellandschaft-ruhr.de
"Momente der Ewigkeit" -
Ein Zyklus mit Kantaten von Johann Sebastian Bach
als Atempausen zur Kulturhauptstadt
Die aufstrebenden "Metropole RUHR" hat ihren Ursprung in den christlichen Wurzeln der Region. Um sich dieser Herkunft zu vergewissern, werden auf künstlerisch hohem Niveau 36 Kantaten Johann Sebastian Bachs aufgeführt. Die Aufführungen verstehen sich als "Atempausen". Sie sind den "Geistlichen Abendmusiken" nachempfunden und werden in einem liturgischen Rahmen aufgeführt. Die inhaltlichen Aussagen von Bachs Kantatenwerk werden für die Gegenwart in einem kurzen Wortbeitrag erschlossen. www.momente-der-ewigkeit.de
Kirchentourismusprojekt "Church Tours Ruhr"
Mit dem Konzept "Church Tours RUHR" wurde eine touristische Infrastruktur geschaffen für Tagesreisen zu den bedeutenden Kirchen des Ruhrgebietes. Entlang der Routen "zu den Ursprungsorten im Ruhrtal" "den alten Handelsplätzen des Hellweges" und zu den " Kirchen entlang der Route der Industriekultur" können individuelle Absprachen getroffen werden, die jeweils Brückenschläge ermöglichen zu weiteren Angeboten der Kulturhauptstadt im gesamten Ruhrgebiet. "Church Tours Ruhr" ist der kirchliche Beitrag zur Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet.
Ergänzend gibt es Orgelfahrten und interkulturelle Begegnungsreisen, sowie die "Church Line" an festgelegten Tagen für Individual-Preisende. Die "Night Line" ist ein spezielles Angebot unter kirchenpädagogischen Aspekten als Nachtfahrt. In Verbindung mit Church Tours bietet die Ruhrtourismus Gesellschaft (RTG) im Jahr 2010 ein Wochenendarrangement an.
www.church-tours-ruhr.de
3-Kirchen-Touren
Diese Bus-Touren mit Führung und Programm - organisiert durch den Kulturbeauftragten des Kirchenkreises Bochum auf Initiative der Kirchengemeinde Bochum-Stiepel - erfassen jeweils drei Kirchen in unterschiedlicher Zusammenstellung, die für viele andere stehen. Kirchen verdichten Geschichte und Geschichten; die Eigenen und die der Stadt. Sie gehören also denen, die sie bewohnen. Verdeutlicht werden soll, was sie bewahren: Geschichten der Kunst, Gott zu feiern! Die Touren finden nachmittags in der Zeit zwischen 14.30 und ca. 18.00 Uhr mit einem Bogestra-Bus statt. Treffpunkt ist der ZOB/Hbf. Die genauen Tour-Termine bzw. –routen werden im Gemeindebrief und der örtlichen Presse veröffentlicht.
Anmeldungen nimmt der Bochum-Ticketshop, Huestr. 9, 44787 Bochum, Tel: 01805-260234 (14 ct/min) entgegen.
Des Weiteren hat die Ev. Kirchengemeinde in Zusammenarbeit mit dem ADFC verschiedene Radtouren zu kirchlichen und kulturellen Standorten initiiert. Auskünfte erteilt der ADFC Bochum, Herr Schulz.
Die Einrichtung von ‚Kirchenpfaden’ als individuelle oder geführte Wanderungen wird in der Kirchengemeinde vorbereitet und zu gegebener Zeit veröffentlicht.
Weiterführende Informationen finden Sie auch allgemein unter www.evangelisch2010.de.