Kantor Michael Goede verlässt Stiepel

Liebe Gemeindemitglieder,

als ich am 10. Juni 1973 in der Ahrensburger Schlosskirche getauft wurde, gaben mir meine Eltern als Taufspruch einen Psalm mit auf meinen Lebensweg. Es ist ein Psalm, der mein ganzes bisheriges Leben bestimmt hat:

Das große Halleluja

Halleluja!
Lobet den HERRN in seinem Heiligtum;
                lobet ihn in der Feste seiner Macht!
Lobet ihn in seinen Taten;
              lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!
Lobet ihn mit Posaunen,
               lobet ihn mit Psalter und Harfen!
Lobet ihn mit Pauken und Reigen;
                lobet ihn mit Saiten und Pfeifen!
Lobet ihn mit hellen Zimbeln;
                lobet ihn mit wohlklingenden Zimbeln!
Alles, was Odem hat, lobe den HERRN!
                Halleluja!

(Psalm 150)

In der Kindheit prägten mich der sonntägliche Besuch des Kindergottesdienstes und das wöchentliche Singen im Kinderchor. Mit 14 Jahren erlernte ich das Orgelspiel und mit 16 Jahren hatte ich meinen Platz gefunden: Sonntag für Sonntag an der Orgel, das Lob Gottes musizierend, wie es schon von Martin Luther beschrieben wurde. Er hat der Musik im Gottesdienst einen festen Platz zugewiesen: Nachdem Gott" mit uns redet durch sein Wort", können wir, seine Gemeinde, nicht anders, als "wiederum mit ihm zu reden durch Gebet und Lobgesang" (1544).

Als Student der Kirchenmusik an der Essener Folkwang-Hochschule durfte ich ab Juli 1996 an der Stiepeler Dorfkirche als Kirchenmusiker arbeiten, zunächst nebenamtlich, mit meinem A-Examen ab dem Jahr 2000 als hauptamtlicher Kirchenmusiker. Bis zum heutigen Tage sind dies über 22 Jahre kirchenmusikalischer Dienst an einer der schönsten Kirchen Deutschlands!
Neben dem „Tagesgeschäft“ mit Probenarbeit, Unterricht und Administration, der musikalischen Gestaltung der Sonntagsgottesdienste und der zahlreichen Kasualgottesdienste, durfte ich in diesen Jahren viele Höhepunkte erleben. Da war zunächst die Restaurierung meiner Stiepeler Dorfkirche mit dem Neubau meiner liebgewonnenen Orgel (2004). Im Jahr 2008 stand die Jahrtausendfeier im Mittelpunkt meiner Arbeit, dann im Jahr 2010 das Kulturhauptstadtjahr RUHR 2010, aus dem mein vielbeachteter Stiepeler Kultursommer mit Konzerten, Ausstellungen und Ausflügen hervorging. Insgesamt sechs CD-Aufnahmen mit Musik zu Weihnachten, der Passionszeit, dem gesamten Kirchenjahr, mit Orgel-, Orchester-, und Chormusik, und die Verantwortung für eine DVD stehen auf der Habenseite und werden mir und Ihnen meine „Stiepeler“ Klänge in Erinnerung halten.
Für die Ev. Landeskirche von Westfalen war ich darüber hinaus seit 2003 als Orgelsachverständiger tätig, habe Kirchengemeinden in Orgelangelegenheiten beraten und dadurch einen guten Einblick in die Arbeit anderer Kirchengemeinden erhalten.
Viel wichtiger als dies jedoch waren und sind die zahlreichen Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben. Ohne diese hätten viele der oben aufgezählten Ereignisse nicht stattgefunden. Dafür möchte ich mich zuerst bei allen meinen Chorsängern für ihre jahrelange Treue, liebevolle Art sowie Mit- und Zuarbeit ganz herzlich bedanken, darüber hinaus bei allen Mitmusizierenden, dem Posaunenchor, ungezählten Gesangssolisten, den vielen Instrumentalisten des Barockorchesters caterva musica sowie zahlreichen Mitgliedern der Bochumer Symphoniker, Sponsoren und nicht zuletzt den Kirchenmusikliebhabern, die stets gegenwärtig waren: Vielen, vielen Dank!

Leben heißt Veränderung, und so ist für mich und meine Frau, zusammen mit unseren Sohn Fiete, der Zeitpunkt gekommen, Stiepel zu verlassen, um neue Wege zu beschreiten. Ein Lied (EG 395), welches ich in meiner Stiepeler Zeit unzählige Male auf der Orgel begleitet habe, beginnt mit den Worten „Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt.“ Nach Mecklenburg wird uns dieser Weg führen, genauer gesagt nach Bad Doberan, eine Kleinstadt westlich von Rostock. Dort hat meine Frau eine neue Arbeit gefunden. Ich selber scheide aus dem kirchlichen Dienst aus und werde mich in einem reich an Backsteingotik gesegnetem Land mit seinen unzähligen schönen Dorfkirchen neu orientieren und erfinden müssen. Wie habe ich gerade noch zitiert: „Vertraut den neuen Wegen“…
Das Lob Gottes werde ich weiter musizieren, denn ich kann und will nicht anders, als es uns der 146. Psalm nahe legt:
Halleluja!
Lobe den HEERN, meine Seele!
Ich will den HERRN loben, solange ich lebe,
und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.

Bis ich Stiepel verlassen werde, stehen noch eine ganze Reihe musikalischer Veranstaltungen auf dem Programm, wie z. B. die weihnachtliche Matinee mit Kammermusik am 2. Advent, ein Kantatengottesdienst am 1. Weihnachtsfeiertag oder ein „Feuerwerk der Tasten“ an Silvester mit anschließendem Sektempfang (siehe: Musik in der Dorfkirche).

Mit meinem letzten Konzert am 9. Februar 2019 um 19.00 Uhr unter dem Titel „Du heilige Dreifaltigkeit, wir loben dich in Ewigkeit“ und einem Gottesdienst am 10. Februar 2019 um 10.00 Uhr möchte ich mich dann von Ihnen allen verabschieden. Im Anschluss an den Gottesdienst sind Sie herzlich eingeladen ins Gemeindehaus zu einem Glas Sekt. Dort besteht die Möglichkeit zum Gespräch und einer persönlichen Verabschiedung.

Im Lied „Nun jauchzet dem Herren alle Welt“ (EG 288) – einer Nachdichtung des 100. Psalmes – heißt es in der 5. Strophe:

Dankt unserm Gott, lobsingt ihm / rühmt seinen Namen mit lauter Stimm: /
lobsingt und danket allesamt! / Gott loben, das ist unser Amt.

In diesem Sinne freue ich mich bei meinem letzten Stiepeler Gottesdienst auf das gesungene und musizierte Wort Gottes. Musik ist eine wesentliche Sprache, in der Gott mit uns redet. Musik vermag unsere Herzen anzusprechen und schafft damit eine Atmosphäre, die es jedem von uns ermöglicht, auf seine Weise eine Begegnung mit Gott auf einer anderen Ebene als durch das Wort zu erleben. Ein unglaublich intensives Erlebnis!
Johann Sebastian Bach kannte diese Gabe der Musik. In einer kleinen Randnotiz in seiner Bibel notierte er: "Bey einer andächtigen Musique ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart." 

Ihr Kantor
Michael Goede

© Evangelische Kirchengemeinde Stiepel 2007