Luther und seine Deutschen

Luther und seine Deutschen
Referent aller Veranstaltungen:
Prof. Dr. Günter Brakelmann

Martin Luther war für die meisten Deutschen seit dem Reformationszeitalter (2/3 der Deutschen waren jahrhundertelang Protestanten) die Person, die man am meisten verehrte und regelmäßig feierte. Die vielen Gedenkfeiern seit Luthers Tod zeigen, dass er der populärste Deutsche gewesen ist. In der Verehrung durch die Jahrhunderte hindurch hat es Kontinuitäten gegeben, aber in den wechselnden Perioden der deutschen Geschichte hat es starke Variationen in den Schwerpunkten des Interesses der jeweiligen Zeitgenossen gegeben.

Wir greifen in unserer Reihe vier große Reformationsfeiern heraus, die uns Einblicke in das Lutherverständnis des 19. und 20. Jahrhunderts geben können:

1883 wird Luther emphatisch als der Gegner des Papsttums, als evangelischer Reformator und als Urbild für die Kreativität eines „deutschen Helden“ gefeiert.

1917 mitten im Kriege traten die antikatholischen Polemiken zurück. Aber Luther wurde noch weithin als der religiöse Wahrheits- und nationale Charakterheld gefeiert. Aber durch den Beginn der sog. „Lutherrenaissance“ wurde Luthers Theologie als das Zentrum seines Glaubens wiederentdeckt.

1933 standen die Luthergedenken meistens unter dem Einfluss des „Erlebnisses der nationalen  Revolution“, der durch die Arbeit der Kirche im Dienst der Volksgemeinschaft eine Reformation in Glaube und Sitte für das ganze deutsche Volk  folgen sollte. Das große Thema des Jahres wurde „Hitler und Luther“.

1983 wurden die Lutherfeiern in den beiden deutschen Staaten sehr verschieden gestaltet. Aber es gab auch die ersten großen Diskussionen über die „Reformation als „frühbürgerliche Bewegung“ zwischen der marxistischen Geschichtsschreibung und bundesrepublikanischen Experten. Zentral blieb das Thema „Luther und Müntzer“.

Was zu sehen ist: „Luther und seine Deutschen“ ist ein kompliziertes Thema. Kein Deutscher ist so heiß verehrt worden wie Luther, aber gleichzeitig ist er im Laufe der religiösen und politischen Geschichte Deutschlands von vielen Interpreten für eigene religiöse und politische Gegenwartsinteressen instrumentalisiert worden. -  Uns erwartet ein aufregendes Kapitel in der Geschichte der Lutherdeutung und Lutherverwendung.

• Sonntag, 19. Februar, 11.30 Uhr
Das Reformationsjubiläum 1883

• Sonntag, 5. März, 11.30 Uhr
Das Reformationsjubiläum 1917

• Sonntag, 19. März, 11.30 Uhr
Das Reformationsjubiläum 1933

• Sonntag, 2. April, 11.30 Uhr
Das Reformationsjubiläum 1983

© Evangelische Kirchengemeinde Stiepel 2007